Jahrtausendfeld ist Teil der Biotopverbundplanung

In den letzten Jahren sind in Leipzig unzählige wertvolle Biotope und Brachflächen bebaut, sowie Lebensräume von Tieren eingeschränkt worden. Die Biodiversität und der Wert dieser Räume für eine lebendige Stadt sind damit unwiderbringlich verloren gegangen. Allzuoft spielen naturschutzrechtliche Belange bei der Leipziger Stadtplanung keine oder nur eine untergeordnete Rolle. Wenn irgendwo gebaut werden soll, werden geschützte Tierarten wie die Zauneidechse einfach eingesammelt und umgesiedelt, oft auch an Orte außerhalb der Stadt. Auch Ersatzpflanzungen für gerodete Bäume werden teilweise außerhalb der Stadt vorgenommen, die Stadt hingegen immer mehr verdichtet. Vor diesem Hintergrund haben die Leipziger Umweltverbände bereits 2019 mit einer Petition einen Biotopverbund gefordert.

„Der Biotopverbund ist ein Netz aus Lebensräumen für Tiere und Pflanzen. Nur wenn diese dauerhaft miteinander verbunden sind, können Arten ungehindert zwischen den Flächen wandern oder sich ausbreiten. Nur so wird dem Artensterben entgegengewirkt und kann biologische Vielfalt erhalten bleiben.“

(Stadt Leipzig)

Ende Januar 2026 hat die Stadtverwaltung nun, nach 3 Jahren Arbeit unter Beteiligung der Umweltverbände, endlich ein Biotopverbundkonzept vorgelegt. Ralf Julke schreibt dazu in der L-IZ: 

„Zwei beauftragte Planungsbüros haben […] zahlreiche Datensätze zu Artnachweisen und Biotopen in Leipzig ausgewertet und verschiedene Brachflächen entsprechend untersucht. Alle Flächen im Stadtgebiet wurden bewertet, welche Funktion sie im Biotopverbund haben. Das Ergebnis dieser Analyse zeigt auf, in welchen Bereichen die Verbünde weitgehend intakt sind und wo Lücken bestehen, sodass sich Tier- und Pflanzenarten nicht ungehindert ausbreiten beziehungsweise wandern können.“

Auch das Jahrtausendfeld ist Teil der Biotopkartierung. Es wird dort als „offene, bis halboffene, trockene bis frische Fläche“ bezeichnet und als „Kernflächenkomplex“ kategorisiert. Im Bericht heißt es dazu: 

„Die Kernflächenkomplexe […] des Biotopverbundkonzeptes sind als Abwägungsmaterial in der Bauleitplanung zu berücksichtigen.“

Soweit so gut. Dass stadtplanerisch immer zwischen verschiedenen Bedarfen abgewägt werden muss, ist bereits Standardprozedere. Bisher jedoch standen Natur- und Klimaschutzbelange in Leipzig gemeinhin hinter dem privaten Baurecht zurück, weshalb in den letzten Jahren unzählige Konflikte um die Erhaltung der letzten Brach- und Biotopflächen in der ganzen Stadt von Anwohnenden und Umweltschutzverbänden geführt wurden und werden. So auch am Jahrtausendfeld. Weiter heißt es im Text:

„Die Entwicklung von Bauflächen innerhalb von Kernflächenkomplexen muss gut begründet werden, wobei das Ziel des Erhalts der Funktion als Kernfläche eine besondere Berücksichtigung findet.“

Dieser Satz macht nur wenig Hoffnung — mit einer guten Begründung kann dann doch gebaut werden? Immer wieder werden in Leipzig ökologische Belange gegen soziale Bedarfe ausgespielt, zum Beispiel der Bau von Schulen und KiTas gegen Biodiversität und funktionierendes Ökosystem. Ein Grund dafür ist, dass Flächen in städtischer Hand, auf denen gebaut werden könnte, mittlerweile extrem rar sind, sowie auch das städtische Budget für den Neuerwerb von Flächen. Klimaschutz und Biodiversität fallen deshalb meist hinten runter. Und die Lobby für Flora, Fauna und Frischluft besteht zu einem großen Teil aus ehrenamtlichen Aktivist:innen, doch  „wir können unsere Umwelt nicht im Ehrenamt retten, wenn sie im Hauptamt zugebaut wird.“, so Niclas-Robin Rosendahl, ehemaliger Sprecher des Umweltverbands Ökolöwe in: Stadt für Alle!

Trotzdem ist die Biotopverbundplanung ein Schritt in die richtige Richtung. Nur, wie so oft in Leipzig, gibt es auf dem Papier viele wohlersonnene Konzepte, an deren Umsetzung es oft hapert, oder die sich viel zu lang hinzieht. Wir hoffen inständig, dass das Konzept alsbald vom Stadtrat beschlossen und damit der totalen Betonisierung und finanziellen Verwertung der letzten Brach- und Biotopflächen nachhaltig entgegengewirkt wird.

Hier den aufschlussreichen Artikel von Ralf Julke weiterlesen: https://www.l-iz.de/politik/leipzig/2026/01/nach-jahrelangem-verlust-wertvoller-biotope-leipzig-legt-biotopverbundkonzept-vor-644706

Das Biotopverbundkonzept, sowie die dazugehörigen Kartierungen und Berichte können hier eingesehen werden.